2016

Projektarbeit im Gemeindehaus der Petri-Kirche in Marschacht

Erstmals fand am 8. Januar 2016 das "Modellieren mit Flüchtlingen" in der Petri-Kirche von Marschacht statt, denn hier sind seit einigen Wochen zahlreiche Flüchtlinge untergebracht . Die Teilnehmer kamen aus dem Irak, Eritrea und Marokko. Es ist durchaus bemerkenswert, dass sich diese Männer auf das Abenteuer "Modellieren" eingelassen haben, keiner von ihnen hatte darin Erfahrung! Klasse! Der Winsener Anzeiger berichtete am 13.1.2016 darüber, nachzulesen unter der Rubrik "Presse Kunstprojekt". Pastorin Ines Bauschke von der Ev.Luth. Elbmarschkirche ist zu Besuch, in ihr fand ich von der ersten Stunde eine wunderbare Unterstützerin dieses Kunstprojektes.

Am 12.Februar 2016 trafen sich Groß und Klein zum Modellieren. Ein sehr harmonischer und heiterer Kurs begann, obwohl die Thematik harte Kost war. Die Kinder stellten zwei Welten gegenüber, die gute und die böse, sie setzten sich intensiv mit den Beweggründen der Flüchtlingen auseinander. Und die Erwachsenen suchten hinter all der Dramatik das Individuum. Und irgendwie ähnelt mancher Kopf seinem Erschaffer - auf sonderbare und kuriose Weise...

Es beeindruckt mich immer wieder, wie sehr sich das Unterbewußtsein durchsetzt und darstellt. In einer vergnügten Gruppe entstanden doch "Köpfe" voller Dramatik: Der "Gespaltene" neben dem "Fragenden" und dem "Verstummten" - sie sind allesamt Ausdruck für Erlebnisse aus einer Flüchtlingswelt. 

Im März 2016 traf unserer syrischer Freund auf die fröhliche Gruppe, die sich inzwischen fast schon zu einem kleinen Club gemausert hat. Mohammed, der zum allerersten Mal mit Ton modellierte, gab seiner Arbeit das Leitmotiv eines kleinen Jungen seiner syrischen Heimat:

 

Morgen scheint sicher wieder die Sonne...

 

Im April 2016 brachte unser syrischer Freund zwei seiner Camp-Mitbewohner zum Kunst-Projekt mit. Erste Schüchternheiten waren schnell überwunden und dann stellten sich sogar echte Freude und Glück ein, als es jedem Teilnehmer gelang, ein ganz besonderes Kunstwerk zu modellieren. Keiner von ihnen hatte es sich zugetraut, doch die Fantasie siegte und am Schluss bewunderten wir alle entstandenen Gefäße gebührend. Nun werden sie noch gebrannt und glasiert, dann kann man sie auch hier bestaunen!

Im Mai 2016 war das Wetter so sonnig und wunderbar heiß, dass sich nur eine Besucherin zum Modellieren einfand. Wir beschlossen, einen Handschmeichler passend zu unserer Sehnsucht nach einem Freibad zu formen: Einen Kugelfisch!

Fest der Kulturen in Marschacht

Am 30. Juli 2016 feierten wir das Fest der Kulturen in Marschacht, zu dem die Samtgemeinde der Elb- marsch eingeladen hatte. Ich fand es großartig, wieviele Menschen sich an diesem Tag bewußt für das gute Miteinander in unserer Gemeinde einsetzten - eine interkulturelle Begegnung von Kultur, Religionen, Kunst, Musik, kulinarischen Delikatessen und sehr vielen guten Gesprächen. Inzwischen kennt man sich und es fällt immer leichter, auch die neuen Flüchtlinge aufzunehmen und in unser Leben zu integrieren.

 

Die Arbeiten aus dem Projekt "Modellieren mit Flüchtlingen" stießen allgemein auf großes Interesse und einige junge Männer sagten mir, dass die Darstellung ihrer Flucht viele Erinnerungen wachrufe. Sie wollten ebenfalls dazu beitragen, diese Stationen ihres Lebens und unserer Epoche auf diese Weise zu dokumentieren. Ich freue mich also auf weitere Treffen in der Petri-Kirche und dem Versuch der gemeinsamen Verarbeitung der Erlebnisse.

Fotos vom Fest unter der Rubrik: Messen - Ausstellungen - Workshops

Im September 2016 kamen drei junge Männer aus Bütlingen in die Petri-Kirche nach Marschacht, mehr als 8 km Radweg lag hinter ihnen. Klasse! Und dann stellten sie sich der schwierigen Aufgabe, zum ersten Mal einen Kopf zu modellieren - die Stimmung wechselte zwischen konzentrierter, stiller Arbeit und amüsiertem, heiteren Lachen. Zum Abschluss formte jeder noch schnell ein Schälchen, das war viel einfacher!

Im Oktober 2016 traf sich die "alte Truppe" und arbeitete wie gewohnt fröhlich und produktiv am Thema der Menschendarstellung. Schade, dass sich keiner der Flüchtlinge seine Arbeiten vom letzten Treffen abholen oder wieder dabei sein wollte.

Ich hoffe, dass sich die Bedeutung und der Wert des Projekts dann wieder in den Ausstellungen zeigt, wenn sich die Objekte  zusammenfügen und als Einheit präsentiert werden.

Viel Ausdauer beim Modellieren zeigten Heidrun Kniggendorf und Uwe Stehr: In filigraner Feinarbeit entstand ein weiteres, gemeinsames Kunstobjekt zum Thema "Flüchtlingsstationen". Es thematisiert die langen Märsche durch die oftmals unwirtliche Natur Europas. Gemeinsam formten wir Figuren, die symbolisch für all jene stehen, die von Angst getrieben ihren Hoffnungen folgen, zu Fuß, ohne Hilfsmittel, Alt und Jung...

Projektarbeit im Gemeindehaus Schulstraße in Tespe

Im Oktober 2016 füllte sich der Raum im Gemeindezentrum Tespe bis auf den letzten Platz mit vielen Flüchtlingen aus Bütlingen und Marschacht, begleitet von Anne und Ireen, so dass wir diesmal eine wirklich große Runde waren! Alle hatten sich auf das "Abenteuer Modellieren" eingelassen, ohne zu wissen, was ihnen gelingen würde. Doch welche Konzentration, Freude und Ausdauer bei den ersten Versuchen, und wie begeistert waren alle von  den entstandenen Werken, die allerdings erst in einigen Wochen zu bewundern sind, wenn sie dann getrocknet, gebrannt und glasiert sind. Pastor Paulo Goschzik-Schmidt schaute auch noch vorbei, was uns sehr freute. Ohne die tolle Unterstützung der ev.-luth. Kirchengemeinde der Elbmarsch von Anfang an wäre dieses Kunstprojekt gar nicht umzusetzen gewesen.

Und hier zeige ich nochmals all die Neu-Künstler, die voller Freude und auch Stolz ihre Köpfe präsentieren!

WOW!

Alle diese Bewohner aus dem Camp nahmen erstmals am Kunstprojekt "Modellieren mit Flüchtlingen" teil und haben auch zum ersten Mal einen Kopf aus Ton modelliert. Die entstandenen Objekte sind voller Originalität und Ausdruckskraft, manches Detail erschließt sich mir noch nicht in seiner Bedeutung, aber das werden wir beim nächsten Treffen sicherlich aufklären können.

 

Und ich erinnere mich an den tollen Song:

 

The world is black, the world is white
It turns by day and then by night
A child is black, a child is white
Together they grow to see the light, to see the light

 

                 "I have a dream"

 

Unter diesem Motten trafen wir uns im November 2016 mit unseren Freunden aus den Camps Bütlingen und Marschacht und diesmal versuchten wir, unsere Träume bildhaft umzusetzen und für jeden Betrachter sichtbar dazustellen - das war spannend und entspannend zugleich! 

Und einen Traum haben wir uns auf alle Fälle in diesen zwei Stunden erfüllt:

 

Frieden, Spaß und eine echte Völker-verständigung untereinander!

 

An den Arbeiten der vergangenen Sitzung hatte ich solche Freude, dass ich sie dieses Mal auch vermehrt farbig glasiert habe. Ich denke, die einzelnen Objekte erfordern auch diese Kolorierung. Leider hat der wunderbare Tannenbaum mit Antilope und Geschenk nicht überlebt - es war statt mit Schlicker mit Platikstäbchen zusammengesteckt ... Nun, ich hoffe, unser Künstlerfreund macht es noch einmal!

Am letzten Treffen dieses Jahres, am 9. Dezember 2016, wurde der regionale Verkehr durch Unfälle lahmgelegt, so dass auch kein Durchkommen zur Petrikirche möglich war und so saßen wir in kleiner, vertrauten Runde zusammen.

 

Völlig entspannt gab sich jeder seinen Ideen hin und es entstanden genau die Dinge, die  schon immer geformt werden wollten ...

 

Begeistert hat uns alle die Eidechse von Ireen, sie ist einfach großartig!


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